Über das Thema Haltung von Riesenschlangen gibt es in der Fachliteratur die entsprechenden Fachbücher, deshalb werde ich hier nur einige wesentliche Punkte aufführen. Da dieser Bericht den Buchkauf nicht ersetzten kann, finden sie unter dem Menuepunkt “Literatur-Tip” Bücher die ich empfehle. Zum Thema Haltung besonders empfehlenswert sind darunter die Bücher von H.& E. Stöckl und Binder & Lamp, welche für den Anfänger, sowie für den Fortgeschrittenen in der Boa-Haltung absolut nützlich sein werden.

 

Die Lebensweise von Boa constrictor in der Natur:

Um den Bedürfnissen von Boa constrictor in der Terrarienhaltung gerecht zu werden muss einem auch bewusst sein wie diese Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum leben.  Deshalb folgt erstmal ein kurzer Überblick darüber, bevor es um die Terrarienhaltung geht.
Das Verbreitungsgebiet von Boa constrictor erstreckt sich vom Nord-Östlichen Mexiko bis nach Argentinien. Im Großteil dieser Regionen gibt es eine feucht-warme Jahreszeit (Sommer) und eine kühlere trockenere Jahreszeit (Winter) die je nach Land und Höhenlage des Habitats unterschiedlich intensiv ausfallen. In der warmen Jahreszeit haben Boas oft reichhaltiges Nahrungsangebot  hingegen in den kühleren Monaten Boas oft mit einem stark reduzierten Nahrungsangebot  zurecht kommen müssen. Aufgrund des schwankenden Nahrungsangebots ist der Verdauungstrakt der Boas ausgelegt große Mengen an Nahrung aufzunehmen zu können, da es sich eine Boa in der Wildbahn oft nicht leisten kann eine Beute zu verschmähen selbst wenn sie bereits am Vortag gefressen hat, da sie nie wissen kann wann sich die nächste Gelegenheit bietet, Beute zu machen.  Vom vielseitigen Nahrungsangebot das in der Natur herrscht wird von Boas so gut wie nichts verschmäht was von der Größe zu überwältigen und zu fressen ist. Passende Beutetiere sind in der Regel verschiedenste Nager und Vögel aber es gibt auch unzählige Berichte über gefressene Echsen, anderer Säugetiere sowie auch Fröschen. Da mit Echsen auch Reptilien am Speiseplan stehen, ist jedoch kein Fall überliefert in dem eine Boa constrictor sich über andere Schlangen hergemacht hat.
Als nachtaktive Schlange macht Boa constrictor hauptsächlich in der Nacht und Dämmerung Beute. Sie ist ein Lauerjäger, also wartet in einem Versteck oder vom Geäst aus auf Beutetiere die ihren Weg kreuzen. Zwar machen sich Boas auch auf Nahrungssuche, dies aber meist gezielt wenn sie Duftstoffe von anderen Tieren aufgenommen haben. Am Tag verstecken sich die Boas in der Regel in Höhlen oder anderen Unterschlüpfen, suchen aber besonders in den Morgenstunden Sonnenplätze auf um die Körpertemperatur schneller zu erhöhen.
Junge Boas verbringen den Großteil des Tages auf Baumen oder Sträuchern und sind ausgezeichnete Kletterer.  Dies ändert sich im allerdings im Laufe der Zeit. Auch wenn gelegentlich adulte Boas auf Bäumen angetroffen werden so büßen sie mit zunehmender Größe ihr Klettergeschick ein und werden überwiegend zum Bodenbewohner.

 

Haltung im Terrarium:

Im Terrarium sollte ein Temperaturgefälle von ca. 27-31 Grad (lokal etwas höher) herrschen und die Luftfeuchtigkeit bei 65-75% liegen. Eine Temperaturabsenkung nachts von ca. 3-5 Grad ist ebenso notwendig wie ein Bade/Trinkgefäß mit einer Wassertemperatur um die 22-24 Grad. Der Tages- Nachtrythmus sollte durch eine Beleuchtungsdauer von 12 bis 14 Stunden nachgeahmt werden. In den Wintermonaten ist es ratsam die natürlichen Jahreszeiten nachzuahmen. Dies geschieht durch eine schrittweise Absenkung der Temperaturen um ca. 3 C° und einer Verkürzung des Tages- Nachtrythmus auf 8 Stunden für etwa 3 Monate. In dieser Zeit ist zu beachten, dass die Höchsttemperatur am wärmsten Punkt des Terrariums am Tag nicht unter 28C° fällt und in der Nacht eine Mindesttemperatur von 22 Grad nicht unterschritten wird. Die Luftfeuchte in dieser Zeit sollte etwa 60% betragen, kann aber bei anstehenden Häutungen etwas erhöht werden.



Kauf:

Den Kauf eines solchen Tieres sollte man gewissenhaft planen. Die Frage nach dem “Wo kaufen?” ist leicht zu beantworten. Beim Züchter sind Tiere aus eigener Nachzucht zu erwerben. Hier hat man den Vorteil, die Elterntiere sehen zu können (wichtig für Rückschlüsse auf die spätere Größe der Schlange), das Tier ist an Menschenhand gewöhnt und hat keine der üblichen Schäden oder Krankheiten, welche exportierte Wildfänge haben. In der Regel ist sogar das Futterproblem gelöst, denn die Tiere sind schon futterfest.
Außerdem bietet der seriöse Züchter dem Käufer die Möglichkeit, dass Tier auf die Hand zu nehmen. Reagiert die Schlange nervös und hektisch, so wird man sie später nicht so oft aus dem Terrarium nehmen können; bleibt das Tier jedoch ruhig und züngelt neugierig in der Gegend herum, wird man mit einem öfteren Handling der Schlange später normalerweise keine Schwierigkeiten haben.

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Will man die Schlange aufnehmen, so greife man nicht mit einem so genannten Vogelgriff von oben zu, sondern schiebt die flache, leicht gekrümmte Hand seitlich (etwa in Körpermitte) unter das Tier und hebt es sanft an.
Dem Anfänger in der Boahaltung kann mit ruhigem Gewissen die Kaiserboa (Boa c.imperator), besonders aus Costa Rica (s. Foto) oder die etwas kleineren Caulker Cay Boas aus Belize empfohlen werden. Diese besitzt eine robuste gesundheitliche Konstitution und ein friedliches Temperament.

Nach dem Kauf muss das Tier bei der Behörde (Bezirkshauptmannschaft, oder Naturschutz-/Landschaftsbehörde) gemeldet werden. Hierzu wird teilweise die Herkunftsbescheinigung des Züchters benötigt.


Fütterung:

Zur Fütterung können hier nur allgemeine Vorschläge gemacht werden, da dies ein oft diskutiertes Thema ist und je nach Tier variieren kann.
Als Jungtier, ca. bis zu einem Jahr, sollte man alle 7-10 Tage füttern. Im 2.-3. Jahr kann man alle 14 Tage Futter geben.
Bei geschlechtsreifen Riesenschlangen füttert man beim Männchen alle 3-4 Wochen und beim Weibchen alle 2-3 Wochen einmal.
Zu beachten ist, dass das Futtertier, egal ob Maus, Ratte oder Anderes im Umfang die Größe des mittleren Schlangenkörpers haben sollte, und nicht mehr (wegen der Gefahr des Auswürgens und der Belastung durch den Verdauungsvorgang).

Da Boas in freier Wildbahn nicht immer regelmäßig ihr Fressen bekommen, sonder dies je nach Nahrungsvorkommen und Jahreszeit variiert, ist es auch nicht notwendig immer regelmäßig zu füttern. Daher kann man ab dem 2. Lebensjahr durchaus die Intervalle variieren, da der Stoffwechsel der Tiere auch auf unregelmäßige Nahrungsaufnahme ausgelegt ist. An diesem Punkt möchte ich aber noch anmerken, dass Fütterungen in der Häutung zu unterlassen sind, da die Verdauung für die Häutung notwendige Flüssigkeit entzieht. Wenn man bei Anzeichen auf eine Häutung die Fütterung aussetzt bzw. auf einen Zeitpunkt nach der Häutung verschiebt, entsteht so automatisch ein unregelmäßiger Fütterungsintervall! Längere Futterpausen besonders in der kühleren Jahreszeit sind in der Natur ganz normal und sie sollten nicht gleich die Nerven wegschmeißen wenn ihre Boa in den Wintermonaten weniger Nahrung annimmt oder das Fressen ganz einstellt wie es oft bei männlichen Boas (Böcken) der Fall ist. Bei weiblichen Boas insbesondere wenn sie durch gute Fütterung Fett angesetzt haben ist es auch empfehlenswert so fern keine Paarung geplant ist, über die Wintermonate weniger und seltener zu Füttern und gegeben falls ein paar Fütterungen aussetzt, dadurch kann das Fett in Muskelmasse umgewandelt werden. Interessant in dieser Zeit ist auch, dass solche Pausen besonders bei Tiere im 2.-4. Lebensjahr keine negative Auswirkung aufs Wachstum haben. Geschlechtsreife Weibchen neigen zu dem im Hochsommer eine außerordentlichen Appetit zu haben. Dies ist hormonell gesteuert und dient dazu Fettreserven für eine bevorstehende Trächtigkeit aufzubauen, wenn sie aber keine Verpaarung planen (was man auch regelmäßig tun sollte) ist es für die Gesundheit des Tieres besser dem gesteigerten Appetit nicht nach zu kommen sonder normal weiter zu Füttern.


Die Frage, ob das Futtertier lebend, frischtot (prekilled) oder aus einem Vorrat von Frostfutter angeboten wird, muss jeder für sich selbst beantworten. Ich empfehle Futtertiere “prekilled” anzubieten, weil hier qualitativ kein Unterschied zum Lebendfutter besteht und das Risiko einer Verletzung der Schlange durch eine lebende Ratte nicht gegeben ist. Der Jagd- und Würgeinstinkt der Schlange geht durch diese Art der Fütterung nicht verloren, wenn man mit der Futterpinzette nach dem Zuschlagen der Schlange noch etwas an dem Futtertier zerrt und so einen Kampf des Futtertieres imitiert.

 

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Häutung:
Um wachsen zu können, muss die Schlange sich in regelmäßigen Abständen häuten. In den ersten Lebensjahren häuten sich die Tiere in relativ kurzen Abständen (wenige Wochen). Im höheren Lebensalter, wenn die Schlange ausgewachsen ist, verlängert sich dieses Zeitintervall deutlich (ca.2-3x jährlich). Die alte Haut wird bei der Häutung am Kopf beginnend von der Schlange abgestreift und es kommt die bereits gebildete größere, neue Haut zum Vorschein. Um die alte Haut abzustreifen kriecht das Tier umher und die lose Haut hakt sich an Steinen oder Kletterästen fest. Auf diese Art kann die Schlange sich dann von ihrer alten Hülle befreien. Die Häutung wird erleichtert, indem sich zwischen der alten und der neuen Haut eine Flüssigkeitsschicht bildet, die als eine Art "Trennmittel" dient. Diese Flüssigkeitsschicht ist auch der Grund dafür, dass die Augen der Tiere in den Tagen vor der Häutung milchig trüb aussehen und die Farben verblassen.
Durch Haltungsfehler kann der Häutungsvorgang negativ beeinflusst werden. Zum Beispiel führt eine zu geringe Luftfeuchtigkeit dazu, dass die Haut nicht mehr an einem Stück, sondern nur noch in Fetzen abgestreift werden kann.
Weiterhin kann es zu Häutungsproblemen kommen, wenn die Schlange kurze Zeit vor der Häutung noch Nahrung zu sich nimmt. Bei der Verdauung der Beute werden im Schlangenkörper große Flüssigkeitsmengen benötigt. Dies führt dazu, dass die Flüssigkeitsschicht zwischen den beiden Hautschichten abgebaut wird. Das Ergebnis ist wie bei zu trockener Haltung, eine Häutung, welche in Fetzen erfolgt.
Bei einer unvollständigen Häutung ist es notwendig, dass der Halter eingreifen muss, weil Hautreste besonders am Schwanz und auf den Augen zu großen Problemen führen können.
An den Augen kann es in ungünstigen Fällen zu Entzündungen kommen. Sonstige verbliebene Hautreste beeinflussen die Durchblutung negativ, so dass es im schlimmsten Falle sogar zum Absterben der Schwanzpartie kommen kann.
Nach einer unvollständigen Häutung hilft ein warmes Wasserbad. Die Haut kann sich mit der Zeit lösen, sodass sie nach der Entnahme der Schlange aus dem Bad leicht entfernt werden kann. Ebenfalls eine sehr wirksame Methode ist die Schlange für ein paar Stunden in einen Behälter zu geben der mit einem unter Warmwasser befeuchteten Handtuch ausgelegt ist. Durch die sehr hohe Luftfeuchtigkeit in diesem Behälter und die raue Oberfläche des Handtuchs lösen sich meist alle Häutungsreste. Wenn sich durch diese Maßnahmen Reste auf den Augen und an der Schwanzspitze nicht mitgehäutet werden, so sollten diese nur durch einen Tierarzt oder von sehr erfahrenen Haltern entfernt werden.


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